Barbara Angerer GmbH

Physiotherapiepraxis, Tinning 19, 83083 Riedering

Leistungen

Wie Ihnen die Praxis Angerer helfen kann

Illustration Geist-Leib-Mensch
Geist – Leib – Mensch – physisch-materielle Welt

Die Rhythmische Einreibung behandelt nicht den Körper als Objekt, sondern begegnet dem Menschen als lebendigem Organismus.
Die Hand wird dabei zum Wahrnehmungsorgan des Therapeuten und zum Vermittler von Rhythmus, Wärme und Beziehung.

Für eine physiotherapeutische Fortbildung lässt sich aus diesem Leitsatz sehr schön eine Verbindung herstellen zu

  • Faszientherapie
  • autonomem Nervensystem
  • Vagusregulation
  • Atemtherapie
  • und zu moderner Schmerzphysiologie.

Die Rhythmischen Einreibungen nach Dr. Ita Wegman gehören zu den äußeren Anwendungen der Anthroposophischen Medizin. Sie entstanden aus dem Versuch, den Menschen nicht nur als mechanischen Körper, sondern als lebendigen, rhythmischen Organismus mit seelischer und geistiger Dimension zu verstehen. Ita Wegman entwickelte diese Therapie im Umfeld der anthroposophischen Medizin; Dr. Margarethe Hauschka arbeitete sie später zu einem lehrbaren therapeutischen Konzept aus. 

Im Folgenden eine Darstellung aus drei Ebenen: 

  • philosophisch-anthropologischer Hintergrund
  • theoretisches Modell
  • praktische Umsetzung der Griffe.

Philosophischer Hintergrund:

Das Menschenbild hinter der Rhythmischen Einreibung:

Der Mensch als Einheit von Leib, Seele und Geist

Grundlage ist das anthroposophische Menschenbild Rudolf Steiners:

Der Mensch wird betrachtet als Zusammenspiel von:

  1. Physischer Leib
  • Knochen
  • Muskeln
  • Organe
  • Nerven
  • Stoffwechselprozesse
  1. Lebensorganisation (Ätherleib)
  • Wachstum
  • Regeneration
  • Rhythmus
  • Flüssigkeitsbewegungen
  • Heilungskräfte
  1. Seelische Organisation (Astralleib)
  • Empfindungen
  • Schmerz
  • Angst
  • Spannung
  • Wachheit
  1. Ich-Organisation
  • Selbstwahrnehmung
  • Wärmeorganisation
  • innere Aufrichtung
  • individuelle Lebensgestaltung

Die therapeutische Berührung richtet sich daher nicht nur auf Muskeln oder Haut, sondern auf die 

                       Regulationsfähigkeit des gesamten Menschen.

Der theoretische Kern: Rhythmus statt Druck

Die klassische Massage arbeitet häufig mit:

  • Druck
  • Knetung
  • mechanischer Mobilisation
  • Lösung von Gewebespannungen

Die Rhythmische Einreibung verfolgt einen anderen Ansatz:

Nicht das Bearbeiten des Körpers steht im Vordergrund, sondern das Wiederherstellen eines gesunden Rhythmus.

Die zentrale Frage lautet:

  • wo ist im Menschen zu viel Festigkeit
  • wo ist zu wenig Lebendigkeit
  • wo fehlt ein gesunder Wechsel zwischen Spannung und Entspannung?

Die Polaritäten des Menschen

Ein wichtiger philosophischer Gedanke ist die Polarität:

Nerven-Sinnes-System (oben)

  • Kopf
  • Nervensystem
  • Denken
  • Kühle
  • Verdichtung

gegenüber

Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (unten)

  • Wärme
  • Bewegung
  • Stoffwechsel
  • Regeneration

Dazwischen liegt das:

Rhythmische Systeme

  • Herz
  • Lunge
  • Atmung
  • Kreislauf

Die Rhythmische Einreibung spricht dieses mittlere System an:

Atmung – Wärme – Flüssigkeitsbewegung – Lebensrhythmus

Warum „Einreibung“ und nicht Massage?

Die Hand folgt nicht dem Gedanken:

„Ich löse eine Verspannung.“

Sondern: die Hand folgt dem Gedanken:

„Ich begleite einen Organismus dabei, wieder in eine eigene Ordnung zu finden“

Die Hand:

  • Sie nimmt Kontakt auf
  • Sie führt eine Bewegung
  • Sie gibt Raum
  • Sie löst wieder

Eine zentrale Qualität lautet:

Verbinden ohne Festhalten – Loslassen ohne den Kontakt zu verlieren. 

Die Philosophie hinter den therapeutischen Griffen

Der Kreis

Der kreisende Griff symbolisiert:

  • Ganzheit
  • Rhythmus
  • Übergang
  • Ausgleich

Er wird häufig eingesetzt, um:

  • Wärme aufzubauen
  • Gewebe zu beleben
  • innere Enge zu lösen

Die Spirale

Die Spiralbewegung steht für:

  • Entwicklung
  • Wachstum
  • Beweglichkeit zwischen Innen und Außen

Sie verbindet:

  • Peripherie und Zentrum
  • Oberfläche und Tiefe

Das Streichen

Das Streichen ist nicht einfach ein „Ausstreichen“.

Es bedeutet:

  • eine Richtung geben
  • Flüssigkeitsströme begleiten
  • Sicherheit vermitteln

Besonders bei erschöpften oder schwer kranken Menschen kann diese Qualität ein Gefühl von Hülle und Geborgenheit vermitteln. 

Praktische Umsetzung einer Rhythmischen Einreibung

Vorbereitung

Der Therapeut schafft:

Ruhe

Wärme

Zeit

bewusste Präsenz

Die eigene Haltung des Therapeuten ist Teil der Behandlung.

Nicht:

„Ich mache etwas am Patienten.“

Sondern:

„Ich trete in Beziehung zu einem lebendigen Menschen.“

Typischer Ablauf einer Fuß-Einreibung

Beispiel:

Kontaktaufnahme

Die Hand ruht zunächst.

Ziel:

  • Vertrauen
  • Wahrnehmung
  • Ankommen

Wärmender Aufbau

Mit Öl werden ruhige kreisende Bewegungen durchgeführt.

Qualität:

  • Weich
  • Fließend
  • ohne Druck

Rhythmische Gestaltung

Die Bewegung folgt:

  • einem gleichmäßigen Tempo
  • einer Atemqualität
  • einem Wechsel von Geben und Nehmen

Abschluss

Die Hand löst sich langsam.

Der Mensch soll nicht „bearbeitet“, sondern gesammelt und gestärkt aus der Behandlung hervorgehen.

Therapeutische Bedeutung aus heutiger Sicht

Aus moderner physiologischer Perspektive lassen sich mögliche Wirkmechanismen beschreiben über:

  • Aktivierung taktiler Hautrezeptoren
  • Einfluss auf das autonome Nervensystem
  • Förderung parasympathischer Regulation
  • Verbesserung von Körperwahrnehmung
  • Regulation von Stressreaktionen

Diese Aspekte passen teilweise zu Beobachtungen über beruhigende und regulierende Effekte von achtsamer Berührung.

Die anthroposophische Interpretation geht darüber hinaus und beschreibt zusätzlich eine Wirkung auf Lebens- und seelische Prozesse. 

Bedeutung für Physiotherapie und für ganzheitliches medizinisches Denken:

Für die Physiotherapie ist besonders interessant:

Die Rhythmische Einreibung erweitert den Blick von:

Struktur Funktion Symptom

hin zu:

Mensch Regulation Selbstheilungskräfte

Gerade bei Patienten mit:

  • chronischem Schmerz
  • Erschöpfung
  • neurologischen Erkrankungen
  • palliativen Situationen
  • Schlafstörungen
  • vegetativen Dysregulationen

kann sie als komplementäre Maßnahme eingesetzt werden.

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